Statement gegen das Abschalten des Radiosenders COSMO

von Inessa Dobler (AK Migration des DISS)

Der WDR selbst schrieb letztes Jahr in einer Stellungnahme: „Wir wollen COSMO nicht abschalten, sondern weiterentwickeln.“ (WDR 2025a). Nun zeigt sich, dass diese Weiterentwicklung beim WDR die komplette Umstrukturierung des Senders bedeutet, mit einem alleinigen Fokus auf Hip-Hop, mit dem Namen „1Live Street“ (WDR 2026; MiGAZIN 2026). Während bereits der Straßenbezug im neuen Namen von Mitarbeitenden des Teams als rassistisch und klassistisch bezeichnet wird, da er „ein interkulturelles, migrantisches Programm auf den Straßenaspekt reduziert“ (Cosmo-Redakteur*in in Zejneli 2026), macht diese Umstrukturierung zudem aus COSMO einen grundsätzlich anderen Sender. Letztendlich wird COSMO nun also doch abgeschaltet.

Was ist Cosmo und was ist der Einfluss des Senders?
Aber was macht COSMO aus? COSMO ist der einzige mehrsprachige Radiosender der ARD, dessen selbsterklärtes Ziel es ist, migrantisierte Communities nicht nur anzusprechen, sondern sichtbar zu machen. COSMO soll einen Raum für Austausch und Verständnis schaffen (WDR 2025b).
Elena Kountidou von den Neuen deutschen Medienmacher*innen beschreibt: „Das Besondere an COSMO ist, dass es mittlerweile der einzige Radiosender ist, der konsequent mehrsprachig sendet und migrantische und queere Perspektiven redaktionell verankert hat.“ (Elena Kountidou in Deutschlandfunk Kultur 2025). Als eine Kooperation zwischen dem Westdeutschen Rundfunk, Radio Bremen und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg verkörpere der Sender das, was eines der Ziele der Rundfunkreformen ist: eine Kooperation zwischen unterschiedlichen Landesrundfunkanstalten (vgl. Deutschlandfunk Kultur 2025).

COSMO spricht Themen an, die im Radio sonst nur wenig Platz finden. So wie beispielsweise heute Morgen, am Dienstag, dem 9. Juni. Zur morgendlichen Stoßzeit, während Menschen auf dem Weg zur Arbeit sind, hat COSMO einen kurzen Beitrag zu Rassismus an der Clubtür gesendet. Es wurden individuelle Erfahrungen von Betroffenen geteilt, Rassismus in und vor Clubs problematisiert und Vorschläge gemacht, wie Betroffene mit diesen Situationen umgehen können. Wird sich damit in anderen Radiosendern befasst? Besonders zu Stoßzeiten?

Warum wird Cosmo abgeschaltet?
Schon 2025 gab es Überlegungen, COSMO abzuschalten. Jetzt wurde es vom WDR-Rundfunkrat beschlossen. Zum 01.04.2027 findet die Umstrukturierung statt, mit der nicht nur das Umbenennen des Senders und der Fokus auf Hip-Hop einhergehen. Die Zielgruppe soll explizit junge Menschen unter 30 sein und das mehrsprachige Programm wird gänzlich gestrichen. Stattdessen soll das Programm WDRforyou weiter ausgebaut werden. Die Sprachenvielfalt und die unterschiedlichen Angebote, die es bei COSMO gab, sind jedoch bisher nicht in einer ähnlichen Form, wie sie bei COSMO stattfand, für WDRforyou geplant (Neue deutsche Medienmacher*innen 2026).

Finanzierungsfragen und generelle Einsparungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk fungieren hier als Begründung für diese Programmkürzung. Außerdem wird das Argument angebracht, dass es COSMO nicht bedürfe, da es ein „Querschnittsauftrag“ der öffentlich-rechtlichen Medien sei, gesellschaftliche Vielfalt in anderen Programmen abzubilden (Neue deutsche Medienmacher*innen 2026). Natürlich sollten Programme im Hauptprogramm die gesellschaftliche Vielfalt besser abbilden. Jedoch findet dies einfach nicht in dem Ausmaß statt, in dem es COSMO möglich ist. Die Abbildung von gesellschaftlicher Vielfalt ist keine Nebensache, die man zwischen andere Dinge einschieben kann. Und, wie die Neuen deutschen Medienmacher*innen es in ihrem Statement ausdrücken: „Ein Querschnittsauftrag ersetzt kein fokussiertes, community-nahes Programm.“ (Neue deutsche Medienmacher*innen 2026).

Mit 25 Jastimmen, 20 Neinstimmen und einer Enthaltung wurde der Reform letztendlich zugestimmt. Ein Lichtblick ist, dass auch entschieden wurde, dass der WDR verpflichtend an unter anderem der Frage arbeiten muss, wie interkulturelle Themen weiterhin im WDR-Programm Platz finden. Die weiteren Fragestellungen finden sich im Neuigkeiten-Reiter der Petition Vielfalt braucht eine Stimme: Save COSMO Radio! (vgl. Initiative #saveCOSMOradio 2026). Dennoch schafft das Abschalten von COSMO eine Lücke in der öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft.

Die Abschaltung von COSMO hat Konsequenzen für die postmigrantische Gesellschaft!
Was COSMO für einzelne Communities und Individuen bedeutet, können diese am besten selbst ausdrücken (viele Statements wurden auf dem Instagramkanal @savecosmoradio repostet). Was aber aus den vielen Kommentaren, Statements und Social-Media-Beiträgen sehr deutlich wird, ist, dass COSMO für viele Menschen nicht einfach nur ein Radiosender ist, sondern ein Ort, der unterschiedlichsten Menschen das Gefühl gibt, gesehen zu werden und einen Platz in der Gesellschaft zu haben.

Die Abschaltung von COSMO hat außerdem auch Konsequenzen für den WDR, die ARD und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Diese sollten eigentlich die gesamte Gesellschaft abbilden. Dies bringt Elena Kountidou auf den Punkt: „Also der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat ja im Auftrag verankert, er soll die Gesamtheit der Bevölkerung vollumfänglich informieren, und das erfüllt er zum Beispiel mit COSMO. Würde das wegfallen, würde er tatsächlich nicht seinem Auftrag gerecht werden.“ (Elena Kountidou in Deutschlandfunk Kultur 2025). Insbesondere von Rechts bestehen die Bestrebungen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen. Vielleicht braucht es dazu die Rechten gar nicht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk schafft sich selbst ab, indem er sich dazu entscheidet, seinem Auftrag nicht mehr gerecht zu werden.

COSMO abzuschalten, sendet ein klares Signal an die Gesellschaft, dass das Schaffen von sicheren Räumen für migrantisierte und queere Menschen keine Priorität hat. Die postmigrantische Gesellschaft muss auch in den Medien abgebildet werden, ansonsten wird sie immer weiter als Ausnahmefall verstanden und nicht als Normalzustand, den wir alle täglich leben.
COSMO so sehr umzustrukturieren, dass der Kern des Senders – das Sichtbarmachen gesellschaftlicher Vielfalt – nicht mehr Teil des Programms ist, macht gesellschaftliche Vielfalt aktiv unsichtbar. In einer Zeit, in der Vielfalt von vielen Kräften als Gefahr und nicht als Bereicherung dargestellt wird, ist das Abschalten eines mehrsprachigen Radiosenders eine explizit politische Entscheidung.

 

Quellen
Deutschlandfunk Kultur (2025): Interkultureller Sender droht zu verstummen. [Interview mit Elena Kountidou], abrufbar unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/wir-brauchen-die-vielfalt-das-drohende-aus-fuer-die-radiowelle-cosmo-100.html (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).

Initiative #saveCOSMOradio (2026): Vielfalt braucht eine Stimme: Save COSMO Radio!, abrufbar unter: https://innn.it/savecosmoradio#updates (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).

MiGAZIN (2026): Cosmo-Reform: WDR kürzt Mehrsprachigkeit, abrufbar unter: https://www.migazin.de/2026/06/08/wdr-cosmo-kritik-kuerzung-mehrsprachigkeit/ (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).

Neue deutsche Medienmacher*innen (2026): Aus für Cosmo: Das kann sich die ARD nicht leisten!, abrufbar unter: https://www.neuemedienmacher.de/aktuelles/stellungnahme/aus-fuer-cosmo-das-kann-sich-die-ard-nicht-leisten (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).

WDR 2025a: WDR-Stellungnahme zu COSMO, abrufbar unter https://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/unternehmen/stellungnahme-wdr-cosmo-100.html (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).

WDR 2025b: Vielfalt ist für uns kein Werbegag, abrufbar unter: https://www1.wdr.de/radio/cosmo/ueber-uns/ueber_uns100.html (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).

WDR 2026: WDR bündelt junge Radiowellen unter der Marke 1LIVE, abrufbar unter: https://presse.wdr.de/plounge/wdr/unternehmen/2026/05/20260529_junge_wellen.html (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).

@savecosmoradio [Instagram-Account], abrufbar unter: https://www.instagram.com/savecosmoradio/ (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).

Zejneli, Anastasia (2026): Cosmo-Redakteur*in über Umbau: „Ich fühle mich ehrlich gesagt verarscht“, abrufbar unter: https://taz.de/Cosmo-Redakteurin-ueber-Umbau/!6183691/, (zuletzt abgerufen am 14.06.2026).