Wie Trumps Feldzug gegen links den Segen der deutschen Regierung zu bekommen droht
Abstract
Präsident Trump versucht seit mehr als einem Jahr, die Inhalte seines Memorandums NSPM-7 vom September 2025 und dessen Ausführungsbestimmungen diskursiv und institutionell zu internationalisieren. In dem Papier werden antifaschistische, antikapitalistische und weitere als links markierte Positionen in einen terroristischen Bedrohungszusammenhang eingeordnet. Der Artikel fragt nach der Rolle der Bundesregierung in diesem laufenden Prozess. Er arbeitet zugleich anhand amtlicher Dokumente, parlamentarischer Auskünfte und der Reden von Marco Rubio, Scott Bessent und Stephen Miller auf einer Washingtoner Ministerkonferenz vom Juli 2026 zentrale Muster der Feindbildkonstruktion durch die US-amerikanischen Akteure heraus: die Gegenüberstellung einer moralisch überhöhten westlich-christlichen Zivilisation und eines als destruktiv, verschwörerisch und kulturell abweichend beschriebenen Gegners. Die Analyse zeigt, wie dabei die Grenzen zwischen konkreten Gewalttaten, legalem Protest und politischer Überzeugung verwischt werden. Stellungnahmen von Menschenrechtsfachleuten und Bürgerrechtsorganisationen verdeutlichen die rechtsstaatlichen Risiken dieser Ausweitung des Terrorismusbegriffs. Vor diesem Hintergrund problematisiert der Beitrag die deutsche Beteiligung an den US-initiierten Konferenzen und die Vorbereitung eines weiteren Workshops in Deutschland. Im Zentrum steht die Gefahr, dass etablierte Sicherheitskooperationen und ein möglicher Datenaustausch zur Verfolgung politischer Opposition beitragen und dem amerikanischen Vorgehen zugleich demokratische Legitimation verschaffen. Der Aufsatz fordert deshalb eine öffentliche Klärung der deutschen Mitwirkung und ihre parlamentarische Kontrolle.
Abstract (english)
For more than a year, President Trump has sought to internationalize, through both discourse and institutional cooperation, the agenda set out in his September 2025 memorandum NSPM-7 and its implementing directives. These documents frame antifascist, anticapitalist, and other positions labelled as left-wing as elements of a terrorist threat. The article examines the German federal government’s role in this ongoing process. Drawing on official documents, government responses to parliamentary questions, and speeches delivered by Marco Rubio, Scott Bessent, and Stephen Miller at a ministerial conference in Washington in July 2026, it identifies key patterns of enemy construction in US officials’ discourse: a morally exalted Western Christian civilization is juxtaposed with an adversary portrayed as destructive, conspiratorial, and culturally deviant. The analysis shows how this framing blurs the boundaries between specific acts of violence, lawful protest, and political beliefs. Statements by human rights experts and civil liberties organizations highlight the risks that this expansion of the concept of terrorism poses to the rule of law. Against this background, the article critically examines Germany’s participation in the US-initiated conferences and preparations for a further workshop in Germany. Its central concern is that established security cooperation and potential data sharing could facilitate the persecution of political opposition while lending democratic legitimacy to US actions. The article therefore calls for public clarification of Germany’s involvement and parliamentary oversight.

