Umkämpfte Gerechtigkeit

Zum UN-Welttag der Sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar 2026 erscheint online ein digitaler Tagungsband zum DISS Kolloquium vom November 2025 unter dem Titel: „Umkämpfte Gerechtigkeit – emanzipatorische Aufbrüche und linke Utopien in der Krise“. Der Band bietet die Langfassungen der Beiträge, die das Versprechen eines Sozialstaates programmatisch aufgreifen.

Die versammelten Texte entfalten historische und gegenwartsbezogene Utopien jenseits neoliberaler Alternativlosigkeit und antworten damit direkt auf die Gefahr, dass autoritäre und technokratische Zukunftsentwürfe zur hegemonialen Erzählung werden: Sie rekonstruieren einerseits Traditionen sozialer Utopien – von Platon über Morus bis zu postmateriellen Szenarien – und zeigen andererseits, dass die materiellen und intellektuellen Voraussetzungen für freiheitliche, egalitäre Gesellschaftsformen längst vorhanden sind und nicht einem vermeintlichen Sachzwang geopfert werden müssen.

Die Beiträge setzen an sozialen Voraussetzungen von Gerechtigkeit an: Unter anderem arbeiten sie heraus, wie gewerkschaftliche Aufbrüche und neue Allianzen Antworten auf prekarisierte Lebenslagen geben oder wie aufsuchende politische Bildung durch macht- und feldkritische Strategien jene erreicht, die von politischer Bildung und Teilhabe noch immer systematisch ausgeschlossen werden.

Schließlich werden vergessene Ressourcen einer jüdischen Gerechtigkeitstradition rekonstruiert, von genossenschaftlicher Selbstorganisation (‚Rechte statt Almosen‘) bis zu gemeinwohlorientierten Konzepten wirtschaftlichen Erfolgs. Es zeigt sich: Es gibt tragfähige historische Modelle für einen demokratischen, sozialstaatlich verfassten Umgang mit Armut, Bildung und Teilhabe. Die Rehabilitierung solcher Perspektiven stellt ein zentrales Gegengift gegen oligarchische, autoritäre und sozialdarwinistische Projekte dar, die derzeit die Machtprobe suchen.​ Der Tagungsband in gedruckter Form wird beim Unrast-Verlag in der Edition DISS im Mai 2026 erscheinen.